Der Hilfe-Kiosk ist aus bürgerschaftlichem Engagement entstanden – getragen von der Überzeugung, dass praktische Hilfe, Offenheit und Zusammenarbeit eine starke Stadtgesellschaft formen. Nach der Kommunalwahl 2014 wurde deutlich, dass in Witten zusätzliche Unterstützung in der Flüchtlingshilfe benötigt wurde. Sechs Engagierte gründeten daraufhin eine unabhängige Anlaufstelle für Geflüchtete. Ein Jahr später wurde daraus ein gemeinnütziger Verein.
Heute engagieren sich rund zwanzig Aktive kontinuierlich in unserer Arbeit, unterstützt von einem Netzwerk aus mehr als hundert Ehrenamtlichen. Gestartet ist unsere Initiative im denkmalgeschützten ehemaligen Kiosk neben dem Rathaus als Untermieter der Volkshochschule. Inzwischen betreiben wir zusätzlich ein Lager sowie einen Laden in der Brauckstraße und bieten dort konkrete Hilfe im Alltag an.
Was wir tun
Unsere Arbeit ist vielfältig und praxisnah. Wir begleiten Menschen bei Behördenangelegenheiten, unterstützen bei der Wohnungssuche, koordinieren Hilfsangebote, organisieren Veranstaltungen und fördern soziale Teilhabe. Viele Aufgaben entstanden aus unmittelbaren Bedarfen heraus – oft im Sinne eines „Learning by Doing“. Besonders wertvoll ist die Mitarbeit von Menschen mit eigener Fluchterfahrung, die sich aktiv einbringen, etwa bei Übersetzungen oder in der Beratung.
Engagement einer Stadtgesellschaft
Die Hilfsbereitschaft der Wittener Bevölkerung war und ist beeindruckend. Besonders während der großen Fluchtbewegung 2015 zeigte sich eine außergewöhnliche Solidarität: Als die Jahnhalle als Erstunterkunft genutzt wurde, meldeten sich rund tausend Bürgerinnen und Bürger zur Unterstützung – von Sprachunterricht über Kinderbetreuung bis hin zu Freizeitangeboten. Spendenaktionen, etwa für dringend benötigte Koffer, fanden innerhalb kürzester Zeit große Resonanz und ermöglichten Hilfe weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Haltung und Perspektive
Der vielfach diskutierte Satz „Wir schaffen das“ der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel spiegelt für uns eine Grundhaltung wider: Eine solidarische Gesellschaft kann Herausforderungen gemeinsam bewältigen. Viele der Menschen, die damals nach Witten kamen, sind heute fester Bestandteil unserer Stadt – sie arbeiten, engagieren sich und gestalten das Zusammenleben aktiv mit.
Seit über einem Jahrzehnt steht der Hilfe-Kiosk für praktische Unterstützung, respektvolle Begegnung und nachhaltige Integrationsarbeit. Unser Ziel bleibt unverändert: Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und Brücken zwischen Menschen zu bauen.
